UK_Fußpflege bei Senioren – Teil 1: Gezielt die Fußgesundheit fördern
Im Laufe eines Lebens tragen uns unsere Füße zigtausende Kilometer und dabei stemmen sie tagtäglich eine erhebliche Last. Das ist besonders dann der Fall, wenn – wie so oft mit den Jahren – die Leibesfülle zunimmt. Allerdings entscheidet nicht allein die physische Belastung darüber, wie gut oder schlecht Senioren zu Fuß sind.
Mit zunehmendem Alter klappt vieles nicht mehr so leicht wie in jungen Jahren und manches wird mühselig. Die Veränderungen setzen dabei langsam, zunächst meist unbemerkt ein. So lässt häufig unsere Sehkraft nach und wir hören zunehmend schlechter. War unsere Haut bis dahin glatt und geschmeidig, wird sie nun trockener, faltig und das Gewebe insgesamt weniger elastisch. Auch unsere Muskulatur nimmt ab und wir verfügen nicht mehr über die Kräfte eines jungen Menschen. Manche von uns werden zudem vergesslicher. Insgesamt zeigt uns unser Körper, dass wir weniger leistungsfähig sind als noch mit 30 oder 40.
Was passiert, wenn wir altern?
Zu diesen körperlichen Veränderungen gesellen sich zudem häufig nicht nur Zipperlein, sondern auch – manchmal ernstzunehmende – gesundheitliche Störungen oder gar schwerwiegende Erkrankungen, die sich dann mit weiteren Jahren noch verstärken.
Zu den Erkrankungen, die auch Auswirkungen auf die Haut an Füßen und Unterschenkeln und die Fußgesundheit insgesamt haben, zählen vor allem Diabetes mellitus, die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), die chronisch venöse Insuffizienz (CVI) sowie Lymphabflussstörungen (Ödeme). Darüber hinaus treten im Alter gehäuft Fuß- und Nagelmykosen auf, die schwere Infektionen nach sich ziehen können. Grund hierfür ist meist die Kombination aus verminderter Durchblutung, geschwächten Abwehrkräften, dem gestörten Säureschutzmantel und manchmal auch nachlassender Hygiene.
Was lässt uns altern?
Ob ein Mensch 70, 80 oder 90 Jahre alt wird, ist grundsätzlich in seinen Genen festgelegt. Doch ob er dieses Alter tatsächlich erreicht, und vor allem, wie er altert, das bestimmt nicht allein sein biologisches Erbe. Denn ganz entscheidenden Einfluss haben zudem folgende Faktoren:
- die Ernährung,
- das Körpergewicht,
- das Ausmaß von anhaltendem Stress,
- der Konsum von Alkohol und Nikotin,
- regelmäßige Bewegung,
- sportliche Aktivität,
- eventuelle Grunderkrankungen.
Darüber hinaus spielt die mentale Verfassung eine wichtige Rolle. Wer seine grauen Zellen ein Leben lang trainiert, der ist auch im Alter meist geistig reger und aufnahmefähiger als ein Mensch, der sich hier kaum gefordert hat. Außerdem beugt er damit einem Morbus Alzheimer oder anderen demenziellen Erkrankung vor – darauf weisen neuere Studien hin. So kann ein 70-Jähriger mit einer gesunden Lebensweise – und natürlich „guten“ Genen – insgesamt deutlich fitter sein als ein Mensch zum Beispiel mit Mitte 50, der nie auf seine Gesundheit geachtet und viele Stunden seines Lebens mit Zigaretten und Alkohol vor dem Fernseher verbracht hat. Doch bei aller Fitness, die zunehmenden Lebensjahre hinterlassen natürlich ihre Spuren – und das oftmals besonders auch an Haut und Füßen
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Altern, ein frühzeitiger Prozess
Auch wenn wir meinen, lange Zeit fit und in jungen Jahren, sozusagen „forever young“, zu bleiben, der Alterungsprozess beginnt früher, als wir denken. Hier einige Beispiele:
- Der Wassergehalt des Körpers eines jungen Menschen liegt bei nahezu 70 Prozent. Ab etwa 30 reduziert er sich dann kontinuierlich bis zu rund 55 Prozent. Wird zu wenig getrunken, was bei Älteren aufgrund des häufig nachlassenden Durstgefühls oftmals der Fall ist, kann der Wassergehalt noch geringer sein; und das zeigt sich ebenfalls an der Haut.
- Wesentlich am Alterungsprozess beteiligt sind Botenstoffe wie das Wachstumshormon (HGH), das Vorläuferhormon für Geschlechtshormone (DHEA) sowie Progesteron, Östrogen, Melatonin, Androstendion und Pregnenolon. Sinkt die Produktion der Hormone, lässt ihre steuernde Funktion nach und das hat Auswirkungen. So arbeiten Zellen und Zellverbände nicht mehr optimal zusammen und Organsysteme funktionieren nicht mehr reibungslos. Das beste Beispiel ist das DHEA. Dieses Hormon der Nebennierenrinden ist nahezu ein Allrounder. Es sorgt nicht nur für Energie, Motivation und mentale Leistungsfähigkeit, sondern es fördert auch den Muskelaufbau, greift in den Fettstoffwechsel ein, schützt damit vor Arteriosklerose und senkt Stresshormone (vor allem Cortisol). Zugleich stärkt es die Immunabwehr. Ab Mitte 20 nimmt der DHEA-Spiegel jedoch kontinuierlich ab, sodass im Alter die Produktion dieses Hormons nur noch bei rund 10 bis 20 Prozent liegt. Die Folge sind unter anderem Muskelabbau, körperlicher und geistiger Leistungsverlust, Müdigkeit und Infektanfälligkeit.
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- Die Veränderungen in der Haut sind ebenfalls vielschichtig: Die Fettzellen in der Unterhaut nehmen beispielsweise ebenso ab wie die Kollagen- und Elastinfasern in der Lederhaut. Die Produktion der Talg- und Schweißdrüsen lässt nach, zusätzlich werden in der Oberhaut weniger natürliche Feuchthaltefaktoren produziert. Damit fehlt es der Epidermis nicht nur an Lipiden und Feuchtigkeit, sie kann auch weniger gut Feuchtigkeit binden und der schützende Hydrolipidfilm leidet ebenfalls. Dies alles begünstigt den typischen trockenen hydrolipidarmen Zustand der Altershaut. Hinzu kommt außerdem die nachlassende Durchblutung, die – neben der insgesamt reduzierten Zellteilung bzw. -erneuerung – die Regenerationsfähigkeit der Haut einschränkt. Erneuert sich die Haut junger Menschen im Schnitt alle 28 Tage, dauert dieser Prozess bei 60-Jährigen etwa 60 bis 70 Tage. Durch den reduzierten Zellstoffwechsel heilen außerdem Verletzungen langsamer ab, während das Infektionsrisiko durch die nachlassende Immunabwehr steigt.
- In Folge des natürlichen Alterungsprozesses nimmt zudem die Spitzenknochenmasse (peak bone mass) – und damit die Knochenfestigkeit – ab. Dieser Prozess setzt bei rund Mitte dreißig ein und macht jährlich etwa 0,5 bis 1,5 Prozent aus. Das bedeutet, dass mit dem Alter und damit einhergehender nachlassender Muskelkraft sowie Störungen des Gleichgewichtssinns die Gefahr von Knochenbrüchen steigt.
- Mit Nachlassen des Atemvolumens und der Lungenbläschen reduziert sich der Sauerstoffgehalt des Blutes. Gleichzeitig verliert das Gewebe zunehmend die Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen. Damit lässt die Versorgung der Zellen nach.
- Der Herzmuskel verliert langsam an Schlagkraft. Gleichzeitig verringert sich die Elastizität der Blutgefäße. Dies wirkt sich auf die Durchblutung des gesamten Körpers aus und damit ebenfalls auf die Versorgung mit Sauerstoff (und mit Nährstoffen).
Spuren an der Haut
Die Spuren des Alterns zeigen sich vor allem an der Haut; und zwar nicht nur an Gesicht, Hals und Händen, auch die Epidermis von Unterschenkeln und Füßen verändert sich. So ist hier das Hautbild oftmals stark trocken, rau und leicht schuppig. Folge des Hydrolipidmangels sind zudem Rötungen, Spannungsgefühle, Brennen und Juckreiz. Nicht selten entwickelt sich daraus zum Beispiel ein Ekzem mit Papeln und Entzündungen oder ein stark juckendes Austrocknungsekzem. Typisch für dieses Exsikkationsekzem sind netzförmige Risse in der Hornschicht, vor allem an den unteren Extremitäten.
Darüber hinaus wird die Epidermis gerade an den Schienbeinen und Fußrücken im Alter deutlich dünner und somit anfälliger für Reizungen ebenso wie Verletzungen. Kommt noch eine durch Arteriosklerose bedingte Mangelversorgung des Gewebes hinzu, zeigt sich das in einer Atrophie. In diesem Fall ist die Haut Pergamentpapier-dünn, glänzend und hoch verletzlich, wobei Wunden nur schwer heilen.
Ein weiteres Zeichen der Zeit an den Unterschenkeln – wie übrigens auch an den Handrücken und Unterarmstreckseiten – ist oftmals eine „Purpura senilis“: Durch leichten Druck oder auch ohne ersichtlichen Grund entstehen punkt- bzw. fleckförmige Blutungen in der Haut. Diese können innerhalb von Wochen bzw. Monaten wieder vergehen oder sie bleiben auf Dauer bestehen. In diesem Fall nehmen sie mit der Zeit eine bräunliche Farbe an. Ursache hierfür sind Abbauprozesse des Blutes, bei denen Hämosiderin, ein Komplex aus Eisen und Proteinen, entsteht.
Weitere Veränderungen meist jenseits des sechsten Lebensjahrzehnts sind Pigmentstörungen („Altersflecken“) und gutartige Hautneubildungen wie zum Beispiel die nicht ansteckenden Verrucae seborrhoicae. Im Anfangsstadium erscheinen diese „Alterswarzen“ als matte, flache, hautfarbene oder hellgrau-braune Flecken bzw. Plaques. Im Laufe der Zeit verwandeln sie sich dann in schwarz-braune, runde oder ovale Warzen von unterschiedlicher Größe mit einer zerklüfteten, verhornten Oberfläche. Oftmals bilden sich diese Verrucae im Bereich von Rücken, Brust, sowie an der Vorderseite von Armen und Beinen jedoch niemals an Handflächen und Fußsohlen.
Veränderungen des Fußskeletts
Nahezu jeder Mensch kommt mit gesunden Füßen zur Welt. Mit den Lebensjahren nehmen allerdings Fuß- und Zehenfehlstellungen zu. Der Grund: meist eine Kombination aus genetischer Veranlagung, „fußunfreundlichem“ Schuhwerk, zu hohem Körpergewicht und anhaltender Belastung.
Kein Wunder also, dass rund 70 Prozent der Menschen im Erwachsenenalter beispielsweise von Senk-, Knick-, Spreiz- oder Plattfüßen betroffen sind. Nimmt dann altersbedingt die Muskulatur ab und lässt die Spannung von Bändern und Sehnen weiter nach, nehmen die Veränderungen und die damit verbundenen Beschwerden zu. So ist es meist typisch, dass das Längs- und Quergewölbe weiter absinkt, wodurch die Füße in die Breite und Länge gehen – und bei den Schuhen nun eine Größe mehr benötigen. Durch das Absinken werden zudem die Mittelfußköpfchen plantar übermäßig belastet. Die Folgen sind Schwielen und Schmerzen.
Ein Senk-Spreizfuß kann außerdem die Entstehung von Hammer- und Krallenzehen oder einem Hallux valgus fördern bzw. diese verstärken. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass Zehenfehlstellungen unter Umständen auch bei einer diabetischen Polyneuropathie auftreten! Durch die Fehlbelastung und trockene Haut bilden sich zudem vermehrt Hyperkeratosen wie Clavi und Schwielen an den druck- und reibungsbelasteten Arealen. Besonders häufig betroffen sind davon die Zehen von D2 bis D5 dorsal an den Mittelgelenken und an den Apex sowie der plantare Vorfuß und die Fersen.
Hallux valgus: Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen
Im Fall sehr starker Hornhautbildung treten an den besonders belasteten Fersen häufig spaltförmige, manchmal bis in die Lederhaut hineinreichende Rhagaden auf, die sich unter Umständen in der Tiefe infizieren. Stark trockene Haut und Hyperkeratosen können aber auch zusätzliche Symptome chronischer Erkrankungen sein, die mit dem Alter zunehmen. Hierzu zählen vor allem Diabetes mellitus mit einer krankheitsbedingten arteriellen Mangelversorgung und peripheren Neuropathie sowie eine periphere Verschlusskrankheit (pAVK).
Von dem im Alter häufig auftretenden Verschleißerscheinungen an den Gelenken bleiben oftmals auch die Füße nicht verschont. Hier ist neben dem Hallux rigidus – der Arthrose des Großzehengrundgelenks – vor allem die Arthrose der Mittelfußknochen sowie des Sprunggelenkes zu nennen. Natürlich können aber auch die Gelenke der einzelnen Zehen von dem schmerzhaften Verschleiß betroffen sein.
Zum Teil 2: Fußpflege bei Senioren – Teil 2: Praktische Tipps für gesunde Füße
Bildunterschriften:
Bild 1: Nagelwachstumsstörung im Alter.
Bild 2: Die gutartige „Alterswarze“ ist anfangs eher flach und hautfarben bis hellgrau-braun.
Bild 3: Mit der Zeit wandelt sich die Verruca seborrhoicae in eine schwarz-braune Warze mit einer zerklüfteten und verhornten Oberfläche.
Bild 4: In Folge eines Hallux valgus kommt es häufig auch zu einem Fehlstand der benachbarten Zehen. Diese liegen nicht nur besonders eng beieinander, sondern als „Hammerzehen“ sind ihre Endglieder stark gebeugt.
Autorin: Barbara von Wirth M. A., Fachjournalistin
Bilder 1-4: @Verlag Neuer Merkur
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