Wenn Haut und Nägel leiden: Wie die onkologische Fußpflege Betroffene unterstützen kann
Die Zahl der Krebserkrankungen steigt – und mit ihr der Bedarf an qualifizierter, begleitender Pflege. Haut und Nägel sind durch Chemo- und Strahlentherapien oft stark belastet. Hier kann die onkologische Fußpflege einen wichtigen Beitrag leisten: Sie lindert Beschwerden und schenkt den Patient:innen im belastenden Therapiealltag neue Lebensqualität.
Damit Fachkräfte den steigenden Anforderungen gerecht werden können, ist gezielte Weiterbildung unverzichtbar. Die RUCK Akademie bietet eine praxisnahe Spezialisierung, die Theorie, Anamnese und Hautdiagnostik verbindet – und Podolog:innen wie Fußpfleger:innen für den sensiblen Umgang mit Krebspatient:innen qualifiziert.
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Im Interview verrät Kerstin Schmid-Siklic, Fachdozentin und Entwicklerin der ONKOPED® Methode, mehr über die Herausforderungen und Chancen dieser sensiblen Behandlung. Im Interview erklärt sie, worauf es bei der Pflege von onkologischen Patient:innen ankommt, welche Risiken bestehen – und warum eine Weiterbildung in diesem Bereich nicht nur sinnvoll, sondern unerlässlich ist.
Die Verbindung von Onkologie und Fußpflege erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Warum sollte diesem Bereich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden?
Die Zahl der Krebserkrankungen steigt stetig an – allein in Deutschland sind es aktuell rund 500.000 Neuerkrankungen pro Jahr*. Mit der Diagnose gehen häufig Haut- und Nagelerkrankungen einher, die durch Chemo- oder Strahlentherapien ausgelöst oder verstärkt werden. Das macht eine qualifizierte onkologische Fußpflege unverzichtbar. Denn sie leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Prävention und Pflege, sondern verbessert auch die Lebensqualität der Betroffenen.
*Quelle: www.krebsdaten.de Im Jahr 2022 sind nach Schätzung des ZfKD insgesamt in Deutschland rund 504.000 Krebserkrankungen erstmalig diagnostiziert worden.
Gab es einen persönlichen oder beruflichen Auslöser, der Sie motiviert hat, sich für die onkologische Fußpflege und Kosmetik einzusetzen?
Der entscheidende Auslöser war eine Krebserkrankung im familiären Umfeld. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl der Hilflosigkeit, als es um die Versorgung von Haut- und Nagelveränderungen ging, die als Nebenwirkung der Behandlung auftraten. Weder die Klinik noch Dermatolog:innen hatten auf diesem Gebiet Erfahrung – keiner konnte uns weiterhelfen. Die Aussage: „Das wird nach dem letzten Chemo-Zyklus wieder besser“ konnte mich nicht zufrieden stellen. Als dann eine langjährige Stammkundin nach einer beidseitigen Mastektomie (= Entfernung beider Brüste) zu mir kam, wurde mir klar, wie dringend eine spezialisierte Fürsorge in der Fußpflege und Kosmetik gebraucht wird. da habe ich meinen Auftrag für eine spezialisierte Fürsorge verstanden. Das war der Moment, in dem ich meine Berufung für diesen Bereich erkannt habe.
Wie reagieren Patient:innen auf das Angebot einer onkologischen Fußpflege – und wie ist die Akzeptanz bei der Ärzteschaft und onkologischen Fachkräften?
Während die Nachfrage vor einigen Jahren noch eher zögerlich war, sieht es heute ganz anders aus: Die onkologische Fußpflege erfährt eine hohe Wertschätzung – sowohl von Seiten der Patient;innen als auch von Fachärzt:innen und onkologischen Pflegekräften. Renommierte Ärzte wie Dr. med. Karsten Gnauert, Chefarzt der Frauenklinik in Aalen, oder das Team der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, gehören zu den aktiven Fürsprechern der onkologischen Haut- und Nagelbehandlung.
Welche besonderen Anforderungen stellt die Hautpflege von Menschen mit einer Krebserkrankung?
Die Hautpflege bei Krebspatient:innen erfordert besondere Achtsamkeit. Jede Therapieform bringt unterschiedliche Aus- und Nebenwirkungen mit sich – von Trockenheit bis hin zu massiven Hautreizungen. Deshalb muss die Pflege immer individuell auf den jeweiligen Behandlungsplan abgestimmt werden. Ein bewährter Grundsatz lautet: Weniger ist oft mehr. Sanfte, reizfreie Produkte und eine sensible Vorgehensweise stehen dabei immer im Mittelpunkt.
Welche Auswirkungen haben Chemo- oder Strahlentherapie – insbesondere Zytostatika – auf Haut und Nägel?
Chemo- und Strahlentherapien greifen nicht nur die Krebszellen an. Sie können auch zu Veränderungen an Haut, Schleimhaut und Nägeln führen. Dazu gehören Trockenheit, Rötungen oder Juckreiz. An den Nägeln zeigen sich Brüchigkeit, Verfärbungen, Rillenbildung – im Extremfall kann es zum Verlust des Nagels kommen. Diese Nebenwirkungen sind auf den Einsatz von Zytostatika zurückzuführen, die die Zellteilung hemmen und dadurch auch das Wachstum von Haut- und Nagelzellen beeinträchtigen.
Die Belastung durch eine Krebserkrankung ist groß. Kann die professionelle Haut- und Fußpflege für Patient:innen dennoch ein Lichtblick sein?
Empathie spielt in der Nachsorge von Krebserkrankungen eine entscheidende Rolle. In Arztpraxen oder Kliniken fehlt oft die Zeit und das Hintergrundwissen, um ausführlich auf Nebenwirkungen an Haut und Nägeln einzugehen. Genau hier kann die onkologische Haut- und Fußpflege ansetzen: Sie bietet nicht nur praktische Hilfe bei Beschwerden, sondern schenkt den Patient:innen auch ein Stück Normalität und Wohlbefinden zurück. Für viele wird sie damit tatsächlich zu einem Lichtblick – und einer wertvollen Ergänzung – im herausfordernden Alltag der Therapie!
Podolog:innen sind im Umgang mit Risikopatient:innen geschult. Warum ist für die Behandlung von Krebspatient:innen dennoch eine Zusatzqualifikation sinnvoll?
Die Behandlung von Krebspatient:innen stellt Podolog:innen vor besondere Herausforderungen. Zusätzliches Fachwissen ist hier unverzichtbar. Die Therapien und Medikamente entwickeln sich ständig weiter, wodurch neue Nebenwirkungen entstehen. Unter bestimmten Zytostatika wie Docetaxel können beispielsweise Neuropathien oder das sogenannte Fuß- und Nagelsyndrom auftreten. Solche komplexen Erscheinungen erfordern spezialisiertes Wissen und eine kontinuierliche Weiterbildung, um die Patient:innen sicher und wirksam zu versorgen.
Welche Inhalte vermitteln Sie in Ihren Kursen an der RUCK Akademie?
Mir ist der Praxisbezug sehr wichtig, wobei auch die Theorie nicht zu kurz kommt. Die Teilnehmenden erhalten eine fundierte Einführung in die Onkologie, einschließlich Chemo- und Strahlentherapie sowie dem Einsatz von Zytostatika. Der Fokus liegt dabei auf den Auswirkungen der Therapie auf Haut, Schleimhaut und Nägel. Besonders praxisnah ist die Arbeit mit Anamnese und Hautdiagnostik. Hier lernen die Teilnehmenden wie man einen individuellen Hautpflegeplan erstellt, der exakt auf die Bedürfnisse der Patient:innen zugeschnitten ist.
Mit der ONKOPED® Methode haben Sie eine spezielle Behandlung für die onkologische Fußpflege entwickelt. Was steckt dahinter?
Die ONKOPED® Methode ist ein von mir entwickeltes Spezialkonzept für die onkologische Fußpflege. Sie umfasst sowohl präventive Maßnahmen als auch die Akutpflege von Krebspatient:innen – vor, während und nach der Therapie. Ziel ist es, Hautprobleme zu lindern, die Nagelgesundheit zu erhalten und zugleich das seelische Wohlbefinden zu stärken. Damit kann diese Methode dazu beitragen, die Lebensqualität der Betroffenen spürbar zu verbessern.
Die Behandlung von Krebspatient:innen erfordert Fingerspitzengefühl – auch im Gespräch. Wie wird dieses Thema in Ihrer Weiterbildung vermittelt?
Gut, dass Sie diesen Aspekt ansprechen. In meinen Kursen sprechen wir ausführlich über die Gefühlszyklen, die Krebspatient:innen ganz unterschiedlich durchlaufen. Dazu biete ich auch einen speziellen Aufbaukurs zur sogenannten Balance-Beratung an. Diese begleitende und beratende Arbeit ersetzt zwar nicht die psychoonkologische Betreuung in der Klinik, stellt aber eine wertvolle Ergänzung dar. Sie verfolgt das Ziel, Gesprächstechniken und Orientierungshilfen an die Hand zu geben, mit denen sie Patient:innen empathisch unterstützen und ihnen im Alltag mehr Sicherheit geben können.
Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Zukunft der onkologischen Fußpflege – insbesondere in Bezug auf Forschung, Zusammenarbeit und Anerkennung im Gesundheitswesen?
Für die Zukunft der onkologischen Fußpflege wünsche ich mir vor allem mehr Aufklärung direkt in den Kliniken. Patient:innen sollten frühzeitig erfahren, dass es speziell geschulte Fußpfleger:innen und Kosmetiker:innen gibt, die sie unterstützen können. Dafür braucht es auch beim medizinischen Personal ein tieferes Verständnis für die therapiebedingten Veränderungen an Haut und Nägeln. Ergänzend dazu sollten Kenntnisse über Prävention und begleitende Behandlung stärker in die Ausbildung und Praxis integriert werden. Nur so kann die interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter ausgebaut und die onkologische Fußpflege langfristig als fester Bestandteil der Versorgung etabliert werden.
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